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Prof. Dr. med. Jens-Uwe Blohmer, Klinikdirektor für Gynäkologie und Leiter des Brustzentrums Charité-Universitätsmedizin Berlin KRANKHEITEN

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frauen

„In der medikamentösen Therapie des Brustkrebses werden aktuell sehr große Fortschritte gemacht.“

Mit über 70.000 neuen Erkrankungen in Deutschland pro Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frauen. Aufgrund der hohen Heilungsrate nimmt die Zahl betroffener Frauen in Deutschland stetig zu. Für diese hohe Heilungsrate sind vor allem das gestiegene Bewusstsein für diese Krankheit und die damit verbundene Bereitschaft, Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen sowie die verbesserte medikamentöse Behandlung verantwortlich. Der Effekt des Mammographie-Screenings auf die Senkung der Sterblichkeit in Deutschland ist noch nicht bekannt, gesichert ist allerdings, dass durch dieses Screening der Anteil kleinerer Brustkrebsstadien unter den am Screening teilnehmenden Frauen gestiegen ist (RKI 2016) und diese haben allgemein eine höhere Heilungsrate.

Moderne Diagnostik-Methoden wie die Mammograhphie-Tomosynthese, die Brust-Magnetresonanztomographie (MRT) oder der hochfrequente Ultraschall (Mammasonographie) haben eine hohe Entdeckungsrate von Karzinomen.

In der medikamentösen Therapie des Brustkrebses werden aktuell sehr große Fortschritte z.B. durch die Einführung von Medikamenten gegen resistente Tumore gemacht, denn diese resistenten Tumore sind verantwortlich dafür, dass nicht alle Frauen mit Brustkrebs geheilt werden. Es gilt herauszufinden, ob diese eingesetzten Medikamente wirken, da sie neben ihrer Wirkung immer auch Nebenwirkungen haben. Dieses Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkung kann durch moderne Medikamente verbessert werden. Wichtig ist auch eine verbesserte Auswahl der zum speziellen Tumor und individuellen Patientin passenden medikamentösen Behandlung (personalisierte Therapie).

In der Operation des Mammakarzinoms geht die Aggressivität der Behandlung, also die Rate an brust- und lymphknotenentfernenden Operationen stetig zurück. Die Ursache ist das Verständnis, dass Brustkrebs bei den meisten Patientinnen eine Erkrankung des ganzen Körpers ist, weshalb unbedingt eine medikamentöse Behandlung des ganzen Körpers durchgeführt werden muss. Somit werden heute 70-80% der Patientinnen brusterhaltend operiert (mit nachfolgender Bestrahlung der Brust) und erhalten nur eine Entfernung von durchschnittlich 2 Lymphknoten aus der Achselhöhle.

Dennoch muss bei den verbleibenden 20-30% der Patientinnen wegen der Ausdehnung des Tumors in der gesamten Brust eine Brust- oder Brustdrüsenentfernung durchgeführt werden.

Sollte eine komplette Rekonstruktion der entfernten Brust mit Eigengewebe notwendig sein (in ca. 20% der betroffenen Frauen), dann erfolgt diese durch eine Gewebeentnahme von Haut und Fett aus Bauch, Po oder Oberschenkel und eine Transplantation dieses Gewebes an Stelle der Brust. Die Gefäßversorgung erfolgt durch einen mikrochirurgischen Anschluss der Blutgefäße des transplantierten Gewebes an Blutgefäße der Brustwand.

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Journalist

Prof. Dr. med. Jens-Uwe Blohmer

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