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Chirurgen, Kardiologen und Radiologen diagnostizieren und operieren in einem Hybrid-OP Hand in Hand – in einem effizienten Workflow und über nahezu alle Disziplinen hinweg. HEALTHCARE

Hightech-OP ermöglicht neue Behandlungsmethoden

Im Hybrid-OP können Ärzte bei Eingriffen am Herz- und Gefäßsystem gleichzeitig diagnostizieren und therapieren.

Neue Methoden in der Medizin erfordern neue Hightech-Lösungen. Doch mit einer herkömmlichen Ausrüstung und Technik stoßen viele Operateure häufig an ihre Grenzen. Ein Trend, der in immer mehr Kliniken Einzug hält, sind Hybrid-OPs. Dabei handelt es sich um eine Verbindung von kardiologischem Herzkatheterlabor und chirurgischem Operationssaal mit bildgebenden Großgeräten wie MRT oder CT, die eine intraoperative Diagnostik ermöglichen. Chirurgen, Kardiologen und Radiologen diagnostizieren und operieren hier Hand in Hand – in einem effizienten Workflow und über nahezu alle Disziplinen hinweg. Dabei zeichnen sich vor allem in der Trauma-, Ortho-, Neuro-, Herz- und Gefäßchirurgie neue Einsatzmöglichkeiten ab.

Die Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie am Klinikum Ludwigsburg verfügt seit etwa drei Jahren über einen der modernsten Hybrid-Operationssäle in Deutschland. „Das Zusammenspiel von OP-Systemtisch, hochleistungsfähiger Durchleuchtungseinheit, peripheren Systemen und 3D-Daten hat es uns ermöglicht, die Palette der Chirurgie deutlich zu erweitern. Außerdem sind die Patientensicherheit, die OP- und Arbeitssicherheit aufgrund der deutlich gesteigerten Operationspräzision und der reduzierten Strahlenbelastung erhöht worden“, berichtet PD Dr. Johannes Gahlen, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie in Ludwigsburg.

Während der Operationen im Hybrid-OP positioniert ein Roboterarm den C-Bogen nach den Vorgaben des Chirurgen. So kann das Ärzteteam unter begleitender Bildgebung sofort entscheiden, ob eine Behandlung perfekt verläuft. Herzstück des Hybrid-OPs ist außerdem ein Operationstisch, der eine Tischplatte aus Vollcarbon hat, auf der die Patienten quasi wie schwebende Jungfrauen gelagert werden. Der innovative Tisch, der mit einem Tablet per Joystick bedient wird, reduziert die Röntgenbelastung und ermöglicht das Durchleuchten des Patienten, ohne dass dieser umgelagert werden muss. „Ein echter Quantensprung, der den chirurgischen Alltag verändert“, schwärmt Dr. Gahlen.

Ein weiterer Vorteil des neuen Hybrid-OPs sei die stete Verfügbarkeit von Patientendaten und die hohe Flexibilität in der Behandlung. Wurden früher bei bestimmten Krankheitsbildern Patienten operiert und anschließend zur weiteren Behandlung verlegt, können heute Katheter, Stents oder Ballone direkt bei der Operation angewendet werden. Dr. Gahlen: „Vor allem profitiert die Behandlung der erkrankten Aorta im Brust und Bauchraum von diesem Hightech-OP. So genannte Aortenstentgrafts können präzise minimal invasiv plaziert werden und sogar Organarterien auf diesem Wege bei der Aneurysmaerkrankung wieder angeschlossen werden.“ Der Hybrid-OP ist nicht nur ein Leuchtturm für das Klinikum Ludwigsburg, er hat auch bundesweit und über die Grenzen Deutschlands hinweg Strahlkraft. „Es kommen immer wieder Kollegen vorbei, um sich vor Ort ein Bild von unserem Hightech-OP zu machen“, so Dr. Gahlen.

Grundsätzlich gilt: Bildgebende Geräte und OP-Tisch sollten im Hybrid-OP stets eine integrierte Einheit bilden. Bei der Wahl des OP-Tischsystems bietet ein Wechselplattensystem mit fester Säule den größten Spielraum. Die technische Ausstattung wird auch durch das Raumkonzept bestimmt. Sind mehrere Räume vorhanden, ist es ratsam, dass das Großgerät verschiebbar ist und somit in mehreren Räumen abwechselnd genutzt werden kann. Dr. Gahlen geht davon aus, dass der Hybrid-OP der zukünftige Standard in der Gefäßchirurgie sein wird. Und er berichtet, dass mit mobilen Durchleuchtungssystemen die zweite Technik-Welle heranrollt. Entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung in der OP-Technik würden aber auch OP-Tische haben, die sich individuell und feinfühlig steuern und bewegen lassen.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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