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Ich habe wieder Träume und Ziele – Sandra Haase

Plötzlich Krebs. Im Juli 2017 erhielt Sandra Haase eine Diagnose, die von einer Sekunde zur anderen ihr Leben veränderte.  

Dass ich mentale Stärke bekomme, wenn mein Körper keine Kraft hat, finde ich irgendwie fair.

„Brustkrebs, fortgeschrittenes Stadium. Knochenmetastasen im ganzen Körper. Auch das Lungenfell ist betroffen. Meine neue Mitbewohnerin nennt sich muzinöses Karziom, eine Schleimerin, zu weich als dass ich sie selbst hätte entdecken können“, schreibt die 39-Jährige in ihrem Blog. Eine Diagnose, die alles auf den Kopf stellt. Doch gerade das, sagt Sandra Haase, gebe ihr einen Sinn.

Ihre starke, positive Sicht auf die Krankheit teilt die Freiburgerin auf Facebook mit anderen Menschen. Mit Betroffenen, Angehörigen, mit Menschen, die vermutlich alle in ihrem Leben mit dem Krebs in Berührung gekommen sind. Wie sehr es ihr gelingt, ihren eigenen Mut weiterzugeben, zeigen die dankbaren, bestärkenden Kommentare unter jedem Beitrag. Ihr Leben, so erzählt Sandra Haase, sei bereits vor der Krankheit aus den Fugen gewesen. Der Krebs habe sie gezwungen, sich neu aufzustellen, neue Prioritäten zu setzen, annehmen zu lernen und ebenso loszulassen, wenn etwas oder jemand nicht gut tue. Lektionen für ein besseres Leben. Trotz oder eben gerade wegen des Krebses.


Im Herbst 2016 war die Ehe mit dem Vater ihres damals sechsjährigen Sohnes geschieden worden. Den Jungen, der bereits zuvor unter einer Angststörung litt, erzog sie – selber seit mehreren Jahren an der Schilddrüsenerkrankung Hashimoto und an einer Depression erkrankt – nun allein. Im knappen Jahr zwischen der Scheidung und der Diagnose meisterten Mutter und Sohn nicht nur die familiäre Umstellung, sondern auch die ersten Monate in der Grundschule, in denen Sandra Haase zunächst pausenlos anwesend sein musste, um ihrem Sohn Sicherheit zu geben. Erwartungen oder die Vorstellung, ihr eigenes Leben aktiv zu gestalten, hatte sie zu dieser Zeit nicht. „Mir hat die Perspektive gefehlt“, schreibt sie in ihrem Blog.

Im Dezember 2016 hatte sie bereits Schmerzen im ganzen Körper, fühlte sich elend.  Dennoch blieb die Erkrankung lange Zeit unentdeckt: Muskelverspannungen, Fibromyalgie, eine Reaktion auf Ibuprofen – verschiedene Verdachtsdiagnosen standen mehr als ein halbes Jahr im Raum, bevor die Schmerzen schließlich so schlimm wurden, dass ein Arzt Sandra komplett auf den Kopf stellte. Erst im Juli 2017 wurden so der Brustkrebs und die Metastasen in Knochen und Knochenmark entdeckt. Einen knappen Monat später begann die Chemotherapie. Sandras Leberwerte verbesserten sich, die Zahl der Thrombozyten normalisierte sich, das Immunsystem blieb stabil. Eine Kontrolle Anfang Januar 2018 zeigte keine neuen Metastasen. An die Stelle der Chemo sei eine Therapie mit einem Cannabis-Präparat, Hormonen und bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen getreten, berichtet sie.

Die Krankheit, so Sandra Haase, sei ein Schicksalsschlag. Wie man sie betrachte, jedoch eine Entscheidung. „Meine Krankheit hat mir Glück gebracht, sie hat mir das Glück aber nicht serviert. Ich habe mich dafür entschieden, denn auch ich hatte die Wahl.“ Und so steht für sie im Fokus, was sich in ihrem Leben seit dem vergangenen Sommer positiv entwickelt hat: Ihr Kind, das durch die Krankheit der Mutter seine eigene Stärke gefunden hat. Freunde, die für sie da sind. Der Partner, „die große Liebe“, die sie durch ihren Blog gefunden hat. Ihre mentale Stärke. Und auch ihre Fähigkeit, anderen Mut zu machen. „Plötzlich habe ich wieder Ziele, Träume und eine Perspektive.“

Fakten

Auf ihrer Facebookseite „Plötzlich Krebs“ (www.facebook.com/SandraHaasePlanB) berichtet Sandra regelmäßig von aktuellen Entwicklungen,  teilt ihre Gedanken und schildert die positiven Aspekte der Krebserkrankung für ihr Leben.

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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