Weekly News

Interview mit Prof. Dr. Conny Antoni über Depressionen und Burnout


Prof. Dr. Conny Antoni, Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Trier und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Wie kommt es, dass immer mehr Menschen mit Depressionen und Burnout zu tun haben?

Einerseits haben die Belastungen am Arbeitsplatz und die Leistungsdichte zugenommen, andererseits bergen die modernen zivilisatorischen Bedingungen – etwa Lärm, Wohndichte, Bewegungsmangel, Fehlernährung und verringerte soziale Bezüge – Risikofaktoren. Zudem treten die Diagnosen in den Vordergrund, weil sie durch die größere Sensibilität für das Thema jetzt häufiger angesprochen und erkannt werden.

Was raten Sie Betroffenen?

Psychologische Psychotherapeuten aufsuchen, ggf. auch einen Arzt oder Psychiater, Ursachen abklären und entsprechende Therapie durchführen.

Was kann man gegen Stress tun?

Stress entsteht, wenn Belastungen als bedrohlich wahrgenommen werden, weil man glaubt, sie nicht angemessen bewältigen zu können. Kritisch ist chronische Überforderung, wenn man nicht mehr „runterkommt“ und sich erholen kann und wenn man keine eigene Selbstwirksamkeit mehr spürt. Was soll man tun? 1. Stressursachen/Belastungen analysieren. 2. Eigene kognitive (Anspruchsdenken, Perfektionismus), emotionale (Ängste, Scham, Überforderung) und Verhaltensreaktionen (zu viel arbeiten, zu wenig entspannen) selbstkritisch erkennen und verändern lernen, ggf. mit professioneller Hilfe. 3. Änderungsmöglichkeiten entwickeln (z. B. Arbeitsmenge reduzieren, Arbeitsplatz wechseln, mit Kollegen/Vorgesetzten eine Lösung finden) sowie eigene Ressourcen (Entspannungsmöglichkeiten, Ausgleich durch Hobbies, soziales Engagement, Sport, Familie, Musik usw.) aktivieren. Hier können betriebliche Angebote helfen, z. B. Stressmanagement und Problemlösetechniken, Reha-Maßnahmen und Coaching durch betriebsinterne und externe BeraterInnen.


Teile diesen Artikel

Journalist

Nicole Bitkin

Weitere Artikel