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Die platzsparende Wabenstruktur ermöglicht eine flexible Nutzung. HEALTHCARE

smartLAB – das Labor der Zukunft

Das smartLAB ist das erste voll funktionsfähige digitale Labor. Damit es in den Laboren funktioniert, müssen jedoch neue Bedingungen geschaffen werden. 


Dr. Sascha Beutel vom Institut für Technische Chemie, Leibniz Universität Hannover. Foto: Eberhard Franke

Sie sieht aus wie eine Schutzbrille, doch sie hat es in sich. Sie dient nicht nur dem Arbeitsschutz, sondern sie weist mithilfe einer integrierten Kamera und Hightech-Sensorik den Weg in das digitale Zeitalter. Zu den Funktionen gehören etwa die Überwachung der Abläufe, das Teilen von Informationen, aber auch die Dokumentation mittels Videoaufzeichnung.

Die Laborbrille ähnelt der Google Glass Datenbrille. Sie ist eine gemeinsame Entwicklung der Arbeitsgruppe smartLAB der Leibniz Universität Hannover und Industriepartnern. Vorgestellt wurde sie auf der Labortechnik-Fachmesse Labvolution.

Es wurde dort aber nicht nur die neue Brille präsentiert, auch das aufgebaute Musterlabor ermöglichte weitere Einblicke. „Es gibt immer mehr technische Geräte und immer größere Datenmengen. Doch die Infrastruktur der meisten Labore ist sehr veraltet“, sagt Dr. Sascha Beutel vom Institut für Technische Chemie und Mitglied der Arbeitsgruppe.

Ziel sei es, eine realistische Vision zu schaffen, die darstellt, welchen Nutzen das smarte Labor mit sich bringt. Es gehe darum, Automatisierung, Informationstechnologie, Mensch-Maschine-Interaktion und das Lernen aus Big Data so einzusetzen, dass die Qualität verbessert sowie Kosten- und Zeitaufwand möglichst gering gehalten werden.

Doch bis zur konkreten Umsetzung ist es ein weiter Weg, denn die Anbieter von Hard- und Software arbeiten mit unterschiedlichen Systemen. In Zukunft wird es darum gehen, gemeinsame Standards für die Vernetzung zu definieren. 

Zentrales Element wird neben der Integration von herstellerunabhängiger Technik auch der Einsatz von Robotik sein. „Aber nicht, um die Labormitarbeiter wegzurationalisieren, sondern um sie zu unterstützen“, so Dr. Beutel. 

Die Labor-Visionäre widmen sich außerdem noch einem weiteren Problem: dem chronischen Platzmangel im Labor. Als Lösungsvorschlag präsentieren sie das Ballroom-Konzept. Je nach Bedarf und Aufgabe können die sechseckigen Labortisch-Basismodule zusammengestellt werden. So bieten sie Möglichkeiten der flexiblen Nutzung und erzeugen insgesamt eine platzsparende Wabenstruktur. Inspiriert wurde die smartLAB-Forschungsgruppe dabei vom Salk Institute for Biological Studies im kalifornischen La Jolla, das seit mehr als 50 Jahren die Labore nach diesem Prinzip einrichtet. 

Die smartLAB-Arbeitsgruppe hat das erste voll funktionsfähige digitale Labor der Zukunft präsentiert. Jetzt müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Technik in allen Laboren Einzug halten kann. Für die innovative Technik aus Deutschland bieten sich dadurch auch Chancen auf dem Weltmarkt.

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Journalist

Helge Stroemer

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