Weekly News

Jan Frodeno Triathlet, Olympiasieger und Ironman-Weltmeister. BODY&MIND

Sport zu machen geht am leichtesten, wenn man morgens etwas früher aufsteht

Jan Frodeno, zweifacher Ironman Weltmeister (Olympiasieger und Weltrekordhalter), liebt nichts mehr, als an seine eigenen körperlichen Grenzen zu kommen. Er hat den Triathlon populär gemacht.

Mit 50 ist derjenige fit, der sich schmerzfrei und leicht bewegen kann.

Nach 3,86 Kilometern Schwimmen sind die meistens von uns fix und alle – wenn es überhaupt machbar ist, denn wir sprechen hier von gut 154 Bahnen in einem durchschnittlichen Schwimmbad. Doch für die Teilnehmer des härtesten Sportgroßereignisses der Welt, dem Ironman, ist das erst der Anfang, die Aufwärmphase sozusagen. Danach stehen 180 Kilometer Radfahren an und im Anschluss darf es noch mal eben ein Marathon sein. 

Dass dafür mehr als hartes Training nötig ist weiß jeder, der schon einmal miterlebt hat, wie man sich alleine auf einen „ganz normalen“ Marathon vorbereitet – mit all der Euphorie aber eben auch Verzweiflung, Schmerzen und Verletzungen. Nicht wenige, die in ihrem Job als erfolgreiche Bürohengste glänzen, wollen sich irgendwann einmal auch sportlich beweisen. Und nehmen vor dem für den Durchschnittsläufer über viereinhalb Stunden dauernden Lauf schon mal eine Handvoll Aspirin, um die Schmerzen ertragen zu können. „Das ist natürlich völliger Blödsinn“, sagt Jan Frodeno. „Denn die Signale des Körpers beim Marathon zu ignorieren, ist das Dümmste, was man machen kann. Das erhöht das Risiko, dauerhaft Schaden anzurichten. Viele verbinden die Einnahme mit Schmerzmitteln mit höherer Leistung, aber das funktioniert hinten und vorne nicht.“

Auch bei dem hochgewachsenen Supersportler bleiben Schmerzen nicht aus – aber das sieht der 35jährige als spannendes Zeichen dafür, dass man sich verbessert, dass der Körper arbeitet, dass man an seine Grenzen kommt. „Schmerzen haben viel mit dem inneren Dialog zu tun. Jeder empfindet sie anders. Diesen Schmerz zu relativieren, finde ich super spannend, weil hier für mich sämtliches Leistungspotential drinsteckt. Das tägliche Besserwerden lässt mich den Schmerz leichter ertragen, denn auch ich leide nicht besonders gerne! Es ist die Herausforderung, die mich so antreibt.“


Jan Frodeno Triathlet, Olympiasieger und  Ironman-Weltmeister. Foto: fx_makesapicture

Jeder hat Dinge im Leben, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Bei dem Gewinner des Ironman World Championship war es das Schwimmen, mit dem ihn auch heute noch eine starke Hassliebe verbindet. Da er erst mit 15 Jahren mit dem Schwimmtraining begann, fühlte er sich der Konkurrenz im Wasser oft unterlegen. Den Knoten im Kopf löste schließlich Jahre später die zweihundertste Wiederholung einer Motivations-CD, die er immer und immer wieder anhörte. „Das funktioniert mit der ewigen Wiederholung wie eine Art Hypnose oder Meditation“, erklärt Jan Frodeno. „Damit habe ich schon einige Sachen echt gut hinbekommen.“ Als der Kopf plötzlich nicht mehr blockierte, gewann er umgehend die Goldmedaille. 

Der Spitzensportler trainiert 35 Stunden wöchentlich alle drei Disziplinen, dazu kommen drei Stunden Krafttraining und zehn Stunden Physiotherapie. So kommen jede Woche 25 Kilometer Schwimmen, 600 bis 700 Kilometer Radfahren und 100 bis 120 Kilometer Laufen zusammen. „Das Schwimmen ist nach wie vor am härtesten für mich“, gibt er zu. „Man wird zwar extrem fit, aber es ist nicht sonderlich unterhaltsam.“ Besonders im Wasser ist eine richtige Technik essentiell für den Vortrieb. Für Knie, Sehnen, Muskeln und Gelenke schwört der Kölner übrigens auf Pilates. „Dem Joseph Pilates bin ich sehr, sehr dankbar!“

Um fit zu bleiben nimmt er auf Flügen grundsätzlich sein eigenes Essen mit. Seit zwei Monaten übt sich der 1,94 Meter große Triathlet im Vegetarierdasein und registriert durchweg positive Veränderungen. „Seitdem ich kein Fleisch mehr esse, brauche ich tatsächlich eine Stunde weniger Schlaf täglich und fühle mich den ganzen Tag über wacher und leistungsfähiger“, erzählt er begeistert. Gekocht wird mit kaltgepresstem, biologisch erzeugtem Oliven- und Kokosöl. „Ich koche auch gerne und viel“, lacht er. 

Jan Frodeno ist dankbar um jeden Tag, den ihm sein Sport schenkt. Bewegung macht glücklich, unglaubliche Anstrengungen machen besonders glücklich. Wie kann sich nun ein Ungeübter am besten fit halten? „Laufen kann jeder, das ist angeboren. Ich bevorzuge dazu neutrale Schuhe und lasse mir eine individuelle Einlegesohle anfertigen“, sagt der Olympiasieger. „Beim Radfahren haben viele Männer Probleme mit dem Sattel. Hier rate ich zum Besuch eines Fachhändlers, der nicht nur Beine, Rumpf und Arme sondern auch die Sitzhöcker ausmisst.“

„Ich finde es klasse, gleich morgens eine Runde zu laufen. 20 Minuten reichen schon, um das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen und sich viel besser zu fühlen!“ Jan Frodeno fühlt sich selber so richtig wohl nach einem guten und langen Training – und belohnt sich danach mit einem ausgiebigen Essen. Denn die nächste Herausforderung wartet schon. Und sie wird weh tun. Und überglücklich machen.

Fakten

Jan Frodeno wurde am 18. August 1981 in Köln geboren und wuchs in Südafrika auf, im Jahre 2000 begann er mit dem Triathlontraining. Er gewann als Erster die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2008 und den Ironman Hawaii 2015 und 2016. Er ist Sieger des Ironman 70.3 World Championchip, des Ironman European Championship und Deutscher Meister. Seit Juli letzten Jahres läuft er mit 7:35:39 Stunden die Triathlon-Langdistanz Weltbestzeit. Er ist mit der dreifachen Triathlon-Weltmeisterin Emma Snowsill verheiratet, mit der er einen kleinen Sohn hat. Die Familie lebt in Australien und Spanien. Er lässt sich einmal jährlich komplett durchchecken und schwört auf Pilates.

Teile diesen Artikel

Journalist

Katja Deutsch

Weitere Artikel