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Weiterleben nach dem Schicksalsschlag

Manchmal trifft einen das Leben mit voller Wucht. Monica Lierhaus ritt viele Jahre ganz oben auf der Erfolgswelle und war durch ihre Tätigkeit als Sportreporterin einem Millionenpublikum bekannt. 

Als sie sich vor einem Termin zum Lasern der Augen sicherheitshalber neurologisch untersuchen ließ, wurde ein Aneurysma entdeckt. Diese Verstopfungen sind tückisch, denn sie machen sich im Vorfeld nicht bemerkbar und verursachen weder Kopfschmerzen noch Sehstörungen. „Ich hatte nur ein permanentes Pochen auf dem Ohr“, sagt die Moderatorin. „Doch die Ärzte meinten damals, das sei nur der Stress und ich solle mir deshalb keine Sorgen machen.“ Anstatt den heutzutage weit verbreiteten Tinnitus zu behandeln musste nun ganz schnell ein gefährliches Aneurysma entfernt werden – ein hoch riskantes Unterfangen, das schief ging und sie ins künstliche Koma zwang. Sie erwachte vier Monate später, kaum bewegungsfähig und mit sehr eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit. „An die erste Zeit danach habe ich überhaupt keine Erinnerung“, sagt Monica Lierhaus. „Ich erinnere mich nur noch an die Hilfsmittel wie den Rollstuhl – den ich nach meiner Großmutter, Frau Meyer benannt habe. Und an das Liegefahrrad – das ich nach Lance Armstrong benannt habe.“

Nach jedem Schlaganfall, nach jedem Herzinfarkt, nach jedem schweren Unfall steht unweigerlich die leise Frage im Raum: Was ist vielleicht wieder möglich? Irgendwann einmal? Werde ich irgendwann einmal wieder aufstehen und laufen? Werde ich wieder ohne Hilfe essen können? Mich alleine anziehen, Treppen steigen, Fahrrad fahren, lesen, sprechen, werde ich jemals wieder arbeiten können? Prognosen sind unmöglich, bei jedem Patienten verläuft die Genesung anders. Es heißt, der Wille versetzt Berge – aber wie entwickelt man Willen, wenn man völlig geschwächt und verzweifelt ist?

Monica Lierhaus entwickelte trotz ihres mehr als schwierigen Zustands einen unfassbaren Willen. „Ich frage mich manchmal auch, wie ich das überhaupt geschafft habe“, erzählt sie. „Neben meiner wundervollen Mutter, meiner unglaublich tollen Schwester und meinem massiv unterstützendem Bruder hat mir auch meine Havanneser-Hündin Pauline bei der Genesung geholfen.“

Neben Gedächtnisübungen standen und stehen immer noch eine ganze Reihe unterstützender Therapien an: Neuropsychologische Übungen zur Steigerung der Gedächtnisleistung und des Reaktionsvermögens, Physiotherapie, Osteopathie, Logopädie und Massagen. Und eine Therapie mit Pferden: „Am angenehmsten ist die Hippotherapie“, schwärmt sie. Die macht unglaublich viel Spaß und ich bin auf dem Rücken der Pferde komplett schmerzfrei.“ Bei dieser Form der Krankengymnastik auf neurophysiologischer Basis sitzt man auf einem Pferd, dessen Impulse bei Schritttempo auf das Becken des Reiters übertragen werden und dessen Gleichgewichtssinn trainieren.

Ein weiterer Hinweis „tierischer“ Unterstützung kam von Professor Dietrich Grönemeyer, der ihr eine Delphintherapie auf Curaçao ans Herz legte. Tiere machen Monica Lierhaus immer noch täglich glücklich, bei Hippotherapie und langen Spaziergängen blüht sie jedes Mal auf. Auch wenn die Folgen der Operation noch immer nicht vollständig verschwunden sind, so hat sie ein Wunder vollbracht – sie kann wieder laufen (wenn auch mit Mühe), sie kann wieder flüssig sprechen und sie arbeitet wieder als Journalistin, wenn auch nicht mehr 60 Stunden pro Woche.    

Fakten

Monica Lierhaus: Immer noch ich
Mein Weg zurück ins Leben
Ullstein HC
€ 19,99
ISBN 978-3-550-08118-7

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Journalist

Katja Deutsch

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