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Bei Hörsystemen, die im Ohr getragen werden, steckt die komplette Technik in kleinen, individuell angepassten Hohlschalen.  KRANKHEITEN

Winzlinge mit großer Wirkung

Die immer kleiner werdenden Hörgeräte punkten mit Design, Leistung, moderner Technologie und natürlicher Klangqualität.

Im-Ohr-Systeme können auch tief im Inneren des Gehörgangs sitzen.

Das Klingeln seines Handys hörte Harald Teetz immer häufiger nicht mehr. Auch die Gespräche am Tisch oder im Büro verstand er teilweise nur noch lückenhaft. „Es hat lange gedauert, bis ich mir meine Hörminderungen eingestanden habe. Aber schließlich bin ich dann doch zu einem HNO-Arzt gegangen“, sagt er. Seit einiger Zeit trägt der 59-Jährige jetzt ein Hörgerät, mit dem er in allen Alltagssituationen gut hören kann. 

Orientierung und Sicherheit im Alltag, Gespräche mit Kollegen, Freunden und Familienangehörigen oder der Genuss der Lieblingsmusik – all das und noch viel mehr ermöglicht uns das Gehör. Etwa 15 bis 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden allerdings unter einem geminderten Hörvermögen – in der Altersgruppe ab dem 65. Lebensjahr sogar jeder zweite Mann und jede dritte Frau. Eine unbehandelte Schwerhörigkeit schließt Betroffene aus vielen Bereichen des täglichen Miteinanders aus. Mögliche erste Anzeichen: Satzteile, einzelne Wörter und auch hohe Töne werden verzerrt, nur in Teilen oder gar nicht wahrgenommen. Ebenso kann es vorkommen, dass Hintergrundgeräusche, etwa Straßenlärm oder Musik im Restaurant, dazu führen, dass es schwerfällt, Gespräche zu führen. Und Lautstärkeregler von Fernseher und Radio müssen zunehmend aufgedreht werden. 

Ursächlich für eine Schwerhörigkeit können unter anderem Lärmbelastungen, Krankheiten, Unfälle, Verknöcherungen, Tumore am Hörnerv und Vererbung sein. In den meisten jedoch ist Hörverlust eine Alters
erscheinung. Etwa ab dem 50. Lebensjahr nimmt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs ab. Einer der Gründe dafür sind Verschleißerscheinungen an den Haarzellen im Innenohr. Durch den Alterungsprozess werden jedoch auch der Hörnerv und das Hörzentrum beeinträchtigt. Und auch die Lärmbelastung, die sich im Laufe eines langen Lebens aufsummiert hat, hinterlässt ihre Spuren. „Eine Schwerhörigkeit ist immer ein Symptom einer dahintersteckenden Erkrankung und daher an sich keine Krankheit“, sagt Dr. Dirk Heinrich, der Präsident des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte. 

Die Therapie der Schwerhörigkeit richtet sich nach deren Ursache und Ausmaß. „In vielen Fällen kann das Tragen eines Hörgeräts sinnvoll sein, jedoch erst, wenn die Ursachen der Schwerhörigkeit durch den Facharzt endgültig abgeklärt sind“, warnt Dr. Dirk Heinrich. Sofern ein Hörgerät in Betracht komme, sollte dieses so frühzeitig wie möglich getragen werden. 

Bei der Wahl des geeignetsten Modells stehen die individuellen Anforderungen an das Hören, den Tragekomfort und nicht zuletzt die Ästhetik im Mittelpunkt. Nachdem die Entscheidung für ein Modell gefallen ist, folgt die Feinanpassung. Dabei wird das ausgewählte System Schritt für Schritt eingestellt, bis ein optimales Ergebnis erreicht ist.

Und dennoch ist der Gedanke an ein Hörgerät für manche immer noch tabu. Lieber schalten sie den Fernseher lauter oder akzeptieren, dass sie bei Gesprächen in Gesellschaft nur die Hälfte verstehen. Dabei sind die Zeiten, in denen ein Hörgerät ein fleischfarbener Fremdkörper war, längst vorbei. Moderne Hörlösungen sind heute nicht nur optisch ansprechend und komfortabel, sondern vor allem technologische Wunderwerke, die extrem leistungsstark sind. Zudem werden die Systeme, die auf kleinstem Raum Höchstleistungen vollbringen, immer diskreter und unauffälliger. So können die besonders angesagten Mini-Hörgeräte, die hinter der Ohrmuschel sitzen, inzwischen fast gänzlich hinter dieser verschwinden. Während sich die Technik hinter dem Ohr befindet, sitzt der Lautsprecher direkt im Hörkanal. Die Technik ist federleicht und ein maßgefertigtes Ohr-Passstück sorgt für sicheren Halt am und im Ohr. 

Bei Hörsystemen, die im Ohr getragen werden, steckt die komplette Technik in kleinen, individuell angepassten Hohlschalen. Im-Ohr-Systeme können entweder in der Ohrmuschel oder im vorderen Gehörkanal platziert werden. Sie können aber auch tief im Inneren des Gehörgangs sitzen. Herausziehen lässt sich das Gerät dann an einem transparenten Nylonfaden. Zu den Vorteilen dieser Systeme gehören der hohe Tragekomfort, außerdem sind sie nahezu unsichtbar. 

Die Erfahrung zeigt, dass Träger von Hörgeräten immer mal wieder Schwierigkeiten haben, alle Arten von Gesprächen unter unterschiedlichen Bedingungen zu verstehen. Um hier neue Maßstäbe zu setzen, werden in vielen neuen Hörgeräten drei unterschiedliche Technologien kombiniert: Die Sprache wird aus allen Richtungen wahrgenommen – bis zu sieben Hörumgebungen werden vollautomatisch erkannt, die Art des Gesprächs wird festgelegt und das Hörerlebnis wird schließlich mit Sprachanhebung, Störgeräuschunterdrückung und Ausrichtung optimiert. Auf diese Weise gehört ein präzises Sprachverstehen in kleinen und großen Gruppen, im Störgeräusch und in ruhiger Umgebung zu den Stärken der teilweise nur rund zwei Zentimeter kleinen Winzlinge. „Ich kann wirklich jedem nur empfehlen, nicht zu lange mit einem Hörtest zu warten“, so der Rat von Harald Teetz. Er ist froh, jetzt wieder alles mitzubekommen – und vor allem mitreden zu können. 

Fakten

Schwerhörigkeit: Zeit zu handeln

Tritt der Hörverlust plötzlich auf oder geht er mit Schmerzen oder Fieber einher, sollte unverzüglich ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden. Je früher, desto besser gilt auch für den Fall, dass sich die Schwerhörigkeit schleichend entwickelt.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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